Die Verantwortlichkeit und Lauterkeit der Rede
Merkvers: “Wer aber in keinem Worte fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Zaum halten.” (Jakobus 3, 2)
1. Wie war es unter den Pharisäern und Schriftgelehrten mit der Wahrhaftigkeit der Rede bestellt? Johannes 8,44; Matthäus 26,59
“Die Juden verstanden das dritte Gebot dahingehend, dass es ihnen den Missbrauch des Namens Gottes untersagte. Dagegen hatten sie keine Bedenken, andere Eide anzuwenden. Der Schwur war ihnen etwas Alltägliches. Mose hatte ihnen den Falscheid verboten; aber sie hatten viele Hintertüren, durch die sie sich ihren eidlichen Verpflichtungen entzogen. Sie scheuten den ärgsten Missbrauch nicht, schreckten selbst vor dem Meineid nicht zurück, wenn er sich durch schlaue Umgehung des Gesetzes ummanteln ließ.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 196)
2. Was lehrt der HERR in der Bergpredigt bezüglich dieser feinen Künste der betrüglichen Rede und des Schwures im allgemeinen? Matthäus 5, 33-35
Warum ist es uns unmöglich, unsere Worte durch einen Schwur mit einem Schöpfungsgegenstand zu verbürgen? Matthäus 5,36
“Alles kommt von Gott. Wir besitzen nichts, was wir nicht von IHM empfangen hätten, ja, alles, was wir haben ist uns durch das Blut Christi erworben worden. All unser Besitz trägt gewissermaßen den Stempel des Kreuzes, ist er uns doch mit dem überaus kostbaren Blut erkauft worden., das als Leben Gottes von uns nie genug gewürdigt werden kann. Deshalb können wir auch zur Bestätigung unseres Wortes nichts verpfänden, weil es ja nicht unser wirkliches Eigentum ist”. (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen S. 195)
3. Ist mit diesen Worten des HERRN auch der Wahrheitsschwur vor Gericht verboten? Matthäus 26, 63.64
“Damit untersagte unser Heiland jedoch nicht die Anwendung des Eides vor Gericht, wobei Gott feierlich als Zeuge dafür angerufen wird, dass die gemachte Aussage lautere Wahrheit sei. Hat Jesu selbst doch bei seinem Verhör vor dem Hohen Rat die eidliche Aussage nicht verweigert…. Wenn irgendjemand einen Eid leisten kann, dann ist es ganz gewiss der Christ.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 196, 197)
4. Wie soll die Rede seiner Nachfolger sein? Matthäus 5, 37
“Im folgenden stellte Jesus einen Grundsatz auf, durch den sich der Schwur erübrigen sollte… Damit ist ein Werturteil über alle bedeutungslosen Redensarten und Ausdrücke abgegeben, die sich an der Grenze des Missbrauchs bewegen. Dahin gehören alle unaufrichtigen Höflichkeitsformeln, alle Abweichungen vom wahren Sachverhalt, alle schmeichlerischen und übertriebenen Ausdrücke, die lügnerischen Warenanpreisungen, wie sie im gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben üblich sind”.
- a) Wie ernstlich müssen wir unsere Worte bedenken und erwägen? Matthäus 12, 36.37
b) Welche ernste Ermahnung ist uns gegeben durch den Apostel Petrus? 1.Petrus 3, 9.10
c) Wo geht es ohne Sünde nicht ab? Sprüche 10,19
“Wenn man diesem Wort Christi Beachtung schenkte, würde manche schlechte Meinung und unfreundliche Herabsetzung unausgesprochen bleiben. Wer könnte wohl, wenn er Handlungen und Beweggründe eines anderen beurteilt, behaupten, dass seine Darstellung der Wahrheit gerecht wird? Wie oft ist das Urteil durch Leidenschaft, Stolz und persönliche Empfindsamkeit getrübt! Ein Blick, ein Wort, selbst der Klang der Stimme können mit Falschheit geladen sein. Ja selbst Tatsachen können so geschildert werden, dass ein falscher Eindruck entsteht. Gedenke: “Was darüber ist” -nämlich über die Wahrheit -, “das ist vom Übel”… Es ist aber auch wirklich nicht so leicht, immer die unverfälschte Wahrheit zu reden. Wir können die Wahrheit nicht reden, wenn wir sie nicht kennen. Wie oft hindern uns vorgefasste Meinungen, einseitiger Standpunkt, mangelhafte Kenntnis und irriges Urteil am richtigen Verstehen der Angelegenheiten, mit denen wir zu tun haben. Wir können die Wahrheit nicht reden, wenn unser Geist nicht dauernd unter der Führung dessen steht, der die Wahrheit ist.” ( Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, 197, 198)
5. Womit muss die Wahrhaftigkeit unserer Rede noch gepaart sein? Kolosser 4,6; Epheser 4, 29
“Im Lichte dieser Bibelstellen betrachtet, enthält das Wort Jesu in der Bergpredigt eine Ablehnung von Witzen, Albernheiten und unsauberem Geschwätz. Es fordert von unserer Rede nicht nur Wahrheit, sondern auch Reinheit. Wer von Christus gelernt hat, wird nicht Gemeinschaft mit den unaufrichtigen Werken der Finsternis (Epheser 5,1) haben. Seine Worte und sein Leben werden einfach, offen und wahr sein, bereitet er sich doch auf die Gemeinschaft der Heiligen vor, in deren “Munde kein Falsch gefunden ist.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen, S. 198)
Der Liebe Kampf und Sieg
6. Wie musste im alten Testament im Volke Israel vor Gericht verfahren werden? Matthäus 5, 38
Die Ausführung dieser Regel hatte Mose der Obrigkeit übertragen. “Sonst war niemand berechtigt, die Rache selbst in die Hand zu nehmen, denn der HERR hatte geboten: ‘Sprich nicht: Ich will Böses vergelten!’ Sprich nicht: Wie man mir tut, so will ich auch tun. Freue dich des Falles deines Feindes nicht.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen Seite 200)
7. Wonach dürstet der Mensch von Natur aus, wenn ihm Unrecht zugefügt wird? Richter 15,7
Was aber lehrt uns Gottes Lamm gegenüber zugefügtem Unrecht und Leid? Jesaja 53,7 ; 1.Petrus 2, 19. 21-23; Hebräer 12,3
8. Wie sollen die Nachfolger des Lammes dem Übel und Unrecht entgegentreten? Matthäus 5, 39-42
Jesus schaute mit Betrübnis in all zu IHM aufblickenden Angesichter. ER erkannte, dass der Geist der Rache ihnen seinen Stempel aufgedrückt hatte und wusste, wie heiß das Volk sich nach der Macht sehnte, seine Unterdrücker zu vernichten. Traurig bittet ER sie: Widerstrebt nicht dem Übel, sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar. … Vom Kreuz auf Golgatha her klingt durch die Zeiten das Gebet für einen Mörder und das Hoffnungswort an den sterbenden Übeltäter. Christus lebte in der Gegenwart Gottes, daher war IHM alles, was IHM begegnete, von der ewigen Liebe zum Segen der Welt bestimmt. Das diente IHM zum Trost und soll auch unsere Trostquelle sein.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen Seite 199, 200, 201)
“Hat sich der Richter der Welt die Rache vorbehalten (5.Mose 32, 35), so binden sich die, welche Christi sanftes Joch aufnehmen, dessen Liebesgebot an die Finger und lassen ihren Wahlspruch sein: Wir vergessen keines Dinges eher als des angetanen Unrechts.” (Büchner, Realkonkordanz: “Rache”)
9. Wer soll sogar durch die Macht der Liebe bedrängt und besiegt werden? Matthäus 5, 43-47
Welchen Zusatz haben die Pharisäer gemacht um ihrem Feindeshass Raum und Rechtfertigung geben zu können? 3. Mose 19,18; Matthäus 5,43
“Das war der Geist des Gesetzes, das die Schriftgelehrten zu einem kalten und strengen Regelbuch herabgewürdigt hatten. Sie hielten sich für besser als andere Menschen und glaubten durch ihre Geburt als Israeliten bei Gott besondere Vorzüge genießen zu können. Jesus dagegen machte die Gesinnung versöhnlicher Liebe zum Beweisstück dafür, on jemand sittlich wertvoller sei als die verachteten Zöllner und Sünder.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen Seite 203)
10. Ist nach diesen Worten der Bergpredigt die Teilnahme des Christen am Krieg, in dem der Feind zerschmettert werden soll, noch irgend vertretbar? Matthäus 26,52; Offenbarung 13,10 (Mittelsatz)
“Wir Christen führen nicht mehr das Schwert gegen ein Volk und wir lernen nicht mehr die Kriegskunst, da wir durch Jesus der unser Führer ist, Söhne des Friedens geworden sind.” (Origenes 3.Jahrh. nach Christus) “Jede Uniform, die das Wahrzeichen eines unerlaubten Berufes ist, ist bei uns verboten.” (Tertullian, 200 nach Christus)
11. Nur in welcher Gesinnung können wir als Kinder unseres Vaters im Himmel wirken und bestätigt werden? 1.Johannes 3, 11-16; 4,17.18 ; 2.Petrus 1, 7-9
12. Zu welch hohem Heiligungsziel sollen wir durch das Vorbild und die Lehre Christi und durch den wahren Geist des Gesetzes emporwachsen? Matthäus 5, 48
“So wird seine Liebe, wenn wir sie in uns aufnehmen auch uns freundlich und gütig machen….. gegen die Irrenden, ja selbst gegen die Schuldigsten und Sündhaftesten. Durch Liebe wird die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt. ..die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.” (Gedanken vom Berg der Seligpreisungen Seite 204, 207 )
Gott sieht auf den Charakter
Wir sollten wissen, was wir tun müssen, um gerettet zu werden. Liebe Geschwister, wir sollten nicht mit der allgemeinen Strömung dahintreiben. Unsere gegenwärtige Aufgabe ist es, von der Welt auszugehen und uns von ihr zu lösen. Nur so können wir mit Gott wandeln, wie Henoch es tat. Göttlicher Einfluss verband sich unaufhörlich mit seinem menschlichen Bemühen. Wie er werden auch wir zu einem starken, lebendigen und tätigen Glauben aufgerufen; das ist die einzige Möglichkeit, um mit Gott zusammenzuwirken. Wir müssen den, im Worte Gottes ausgesprochenen Forderungen nachkommen, oder wir müssen in unseren Sünden sterben. Wir müssen wissen. Wo unser Wesen durch die Gnade Christi einer sittlichen Änderung bedarf, um für die Wohnungen “droben” geschickt zu werden. In der Furcht Gottes sage ich euch: Wir stehen in gleicher Gefahr wie die Juden - während um uns her das strahlende Licht der Wahrheit leuchtet, wissen wir nichts von der Liebe und von der Kraft Gottes .
Wir sollten unseren Glauben durch unser handeln bezeugen
Ein herzliches Verlangen sollte sich bekunden, mehr von dem Geist Christi erfüllt zu sein; denn hierin liegt die Stärke der Gemeinde. Satan ist bemüht, Gottes Kinder vom rechten Wege fortzulocken. Ach wie wenig Liebe besitzen wir zu Gott und zueinander! Wohnen das Wort und der Geist der Wahrheit in unseren Herzen, so lösen sie uns von der Welt. Die unveränderlichen Grundsätze der Wahrheit und Liebe binden die Herzen aneinander und die Kraft dieser Gemeinschaft entspricht dem Maß der Gnade und Wahrheit, dessen wir uns erfreuen. Es wäre gut, dass wir alle den göttlichen Spiegel zur Hand nähmen und in ihm unser Wesen betrachteten. Wir sollten uns davor hüten, die Warnungen vor Gefahren und die Ermahnungen des Wortes Gottes unbeachtet zu lassen. Werden sie nicht beachtet und werden die Charakterfehler nicht überwunden, dann überwältigen diese Fehler eines Tages den, der sie hat, und er gerät in Irrtum, Abfall und offene Sünden. Wer den höchsten sittlichen Stand nicht erreicht, verliert mit der Zeit die Kraft, den gegenwärtigen Stand zu bewahren. Darum, wer sich lässt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle. (1.Korinther 10, 12 ).” Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das zuvor wisset, so verwahret euch, dass ihr nicht durch den Irrtum der ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und entfallet aus eurer eigenen Festung. Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes JESU CHRISTI “ (2.Petrus 3, 17. 18)
E.G. White in Test. V Seite 532 ff (1889)